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Abschrift aus „Die Weltwoche“ Nr. 22 vom 28.05.2009
Weiblich, schön, erfolgreich sucht …
Gutausgebildete Frauen zwischen 30 und 45 haben es zusehends schwer, einen Partner zu finden. Während eine Karriere Männer attraktiver macht, scheint bei Frauen das Gegenteil einzutreten.Die Emanzipation erweist sich als Bumerang. Was ist zu tun?
Von Nicole Althaus und Bettina Weber
| Lisa N. hat alles, was sich emanzipierte Mütter für ihre Töchter gewünscht haben: eine schöne Wohnung in Zürich, einen Beruf, der sie fordert und ausfüllt und einen Lohn, mit dem sie sich leisten kann, wonach ihr gerade ist. Dazu einen Freundeskreis, der sie auffängt, wenn sie fällt und mit dem sie danach, sobald die Welt wieder in Ordnung ist, wieder die Nächte durchfeiern kann. Zudem sieht sie gut aus, sehr gut sogar und ist charmant. Dennoch fehlt ihr etwas zu ihrem Glück: ein Partner.Und weil die biologische Uhr der 36 Jährigen mittlerweile laut tickt, ist die Aussicht auf Familiengründung in weite Ferne gerückt. In unerreichbare Ferne, wie es Lisa N. bisweilen vorkommt. Wieso eine kluge und attraktive Frau wie sie allein ist, scheint ein Rätsel. Die schönen und intelligenten und erfolgreichen Single Frauen sind zum Dauerthema avanciert unter Freundinnen. Es vergeht kaum ein Abend, ohne dass nicht früher oder später darüber philosophiert wird, warum der berufliche Lebenslauf vieler Mittdreissigerinnen um einiges aufregender ist als der romantische.
Jede Frau zwischen dreissig und vierzig hat mindestens eine Kollegin im Bekanntenkreis, die attraktiv ist, bestens ausgebildet und beruflich erfolgreich, die weiss, was sie will und das auch bekommt. Alles ist da, nur etwas fehlt, der richtige Lebenspartner. Beruflicher Aufstieg und privater Misserfolg hängen bei Frauen direkt zusammen. Der anekdotische Eindruck lässt sich mit Zahlen belegen. Im Falle der Schweiz reicht einBlick auf die Bildungsstatistik. Vor fünfzig Jahren noch war eine Rarität, |
wer Mitte dreissig Matura oder Studium absolviert hatte und nicht verheiratet war oder in fester Partnerschaft lebte. Heute sind gemäss letzter Volkszählung nur knapp 45 Prozent der Frauen zwischen 30 und 45 mit einem akademischen Titel verheiratet. Bei den Männern derselben Alters und Bildungskategorie tragen immer hin 66 Prozent einen Ehering. Vierzig Prozent der Uni Absolventinnen bleiben kinderlos. Längst nicht alle freiwillig. Zwar nimmt der Anteil der Ehefrauen an der weiblichen Bevölkerung historisch gesehen generell ab. «Weitaus am stärksten aber», sagt Christoph Freymond, «bei den hochqualifizierten Frauen ». Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Bundesamt für Statistik hat unlängst ausgerechnet, dass die Chance, vor den Traualtar zu treten, für eine Sekundarschul-Absolventin um beinahe 20 Prozent höher ist als für eine Akademikerin. Die gesellschaftlich unangenehme Nebenwirkung der weiblichen Bildungsexpansion ist auch in Europa mehrmals belegt worden. Schon 2003 bewies die breit angelegte Studie «Who Marries Whom» der Universität Bamberg, dass gerade ihr Durchmarsch an Gymnasien und Hochschulen die jungen Frauen zu den neuen «Heiratsverlierern» heutiger Gesellschaften gemacht hat. Je klüger, desto einsamer? Der Studienleiter, Soziologieprofessor HansPeter Blossfeld, argumentiert so: «Junge Frauen haben die gleichaltrigen Männer nicht nur bei der Matura überholt, sie sind auch die erfolgreicheren Studierenden. Sie lassen die Männer in der Bildungshöhe hinter sich und werden deshalb künftig noch häufiger Single bleiben. » |
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