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Abschrift aus "Die Weltwoche" Ausgabe 48/09 vom 26.11.2009

Männer kämpfen, Frauen profitieren

Gewerkschaften schlagen Alarm: Der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern hat erstmals seit zehn Jahren zugenommen. Nüchtern betrachtet zeigt sich: Am Arbeitsplatz werden Frauen systematisch bevorzugt. Von Diskriminierung kann keine Rede sein. Von Philipp Gut und Erik Kriek (Illustration)

Das Bundesamt für Statistik legt erstaunliche Zahlen vor. Die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern hatten im vergangenen Jahr durchschnittlich 19.3 Prozent betragen, heisst es in einer grossangelegten neuen Studie („Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2008“). Bei der letzten Bestandesaufnahme im Jahr 2006 lag die Differenz bei 18,9 Prozent. Die Unterschiede haben also (leicht) zugenommen, erstmals seit über zehn Jahren.

Frauenlobby-Organisationen und Gewerkschaften reagierten empört. Die neusten Befunde zur „Lohnungleichheit“ seien ein „Skandal“ ein klarer Rückschritt und gar „ein Verstoss gegen die Verfassung und gegen das Gleichstellungsgesetz“ schreibt die Grossgewerkschaft Unia - und fordert ultimativ: „Frauenlöhne müssen in den laufenden Lohnverhandlungen grundsätzlich angehoben werden und dürfen keinesfalls stagnieren! […] Falls die Arbeitgeber angesichts dieses Skandals nicht unverzüglich handeln, muss die Politik verbindliche Massnahmen ergreifen“.
Mit ihrem unverhohlenen Ruf nach obrigkeitlicher Festsetzung und genereller, also flächendeckender und leistungsblinder Anhebung der Frauenlöhne nimmt die Gewerkschaft zwar eine einigermassen exzentrische Position ein. Aber ihre Überzeugung, dass Frauen in der Arbeitswelt und insbesondere in Lohnfragen benachteiligt und „diskriminiert“ würden, entspricht einer gängigen, selbst vom Bund vertretenen Meinung. „Lohndiskriminierung bleibt Tatsache“ teilten das Bundesamt für Statistik und das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) in einem gemeinsamen Communique mit. Behörden, politische Akteure und Journalisten reden und schreiben mit Vorliebe von „Lohnungleichheit“einem „Lohngefälle“ und einer „Lohnschere“ zwischen Mann und Frau. Meist mit empörter Miene und gekränkter Feder vorgetragen, erweckt das den Anschein, als sei jede „Ungleichheit auch „ungerecht“ und verletze womöglich sogar Gesetze.

Die Lohndifferenzen sind begründet
Doch dieser Eindruck ist irreführend. Ungleiche Löhne sind an sich weder „ungerecht“ noch „diskriminierend“ Die Unterschiede beruhen in den allermeisten Fällen auf Gründen, die rational und nachvollziehbar sind. Männer verdienen im Durchschnitt mehr als Frauen, weil sie besser ausgebildet sind, weniger Teilzeit arbeiten, seltener in Niedriglohnbranchen ihr Einkommen finden und höhere Positionen einnehmen. Verschärft haben sich die Differenzen durch den Trend zu erfolgsabhängigen Lohnbestandteilen: Wird nach dem Leistungsprinzip entlöhnt, schneiden Männer besser ab als Frauen. Hinzu kommen Familie und Mutterschaft, entscheidende Faktoren, wenn es darum geht, die unterschiedlichen Durchschnittslöhne zu erklären: Die meisten Frauen unterbrechen ihren Job, wenn sie Kinder bekommen. Als Wiedereinsteigerinnen verdienen sie weniger als Männer, die im Beruf Erfahrungen gesammelt und womöglich Karriereschritte gemacht haben.
Man stelle sich bloss einmal das Gegenteil vor: dass Menschen, die weniger qualifiziert sind und weniger Berufserfahrung haben, gleich viel oder mehr verdienten als ihre besseren und präsenteren Kollegen.
Doch genau auf solche Verkehrtheiten läuft die Forderung nach Durchschnittslohngleichheit hinaus. Im propagandistisch verwertbaren statistischen Globalmix drohen die nötigen Differenzierungen unterzugehen. Was als schreiende Ungerechtigkeit verkauft wird, ist, bei Lichte besehen, kaum mehr als eine ökonomische Binsenweisheit.

Die Frage stellt sich darum, was von der vielbeschworenen „Diskriminierung“ einer Art Glaubenssatz unserer Zeit, überhaupt noch übrig bleibt. Werden Frauen im Berufsleben wirklich benachteiligt? Können es sich Wirtschaft und Politik, private und öffentliche Arbeitgeber tatsächlich noch leisten, die eine Hälfte der Bevölkerung systematisch zu unterdrücken?

Recherchen und Beobachtungen legen den Schluss nahe, dass es vielleicht sogar umgekehrt sein könnte. Der Staat und private Unternehmen gewähren Frauen in vielen Bereichen eine ganze Reihe fulminanter Finanzhilfen und Privilegien, männliche Kollegen lassen ihnen eine bevorzugte Behandlung angedeihen. Von der „Diskriminierung der Frauen kann keine Rede sein. Die Liste der zehn grossen Vorteile der Frau:
Vorteil Nr. 1: Frauen werden bevorzugt eingestellt
Die Vorteile des weiblichen Geschlechts beginnen bei der Jobausschreibung. In manchen Gleichstellungsgesetzen und zahllosen Stelleninseraten steht der Satz, Frauen würden „bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt“. Oft findet man die Formulierung in der Variante „Frauen und Behinderte“ Die Steigerung dieser expliziten Privilegierung war neulich bei einer deutschen Online-Stellenbörse zu lesen: „Behinderte, insbesondere schwerbehinderte Frauen“ würden anderen Bewerbern vorgezogen, hiess es dort.
Solche Bevorzugungsklauseln, die einen eindeutig diskriminierenden Charakter haben (nämlich für Männer und Nichtbehinderte), sind etwa an Universitäten weit verbreitet. De facto heisse das, sagt ein Professor der Uni Basel, „dass man Frauen nur auf eine Berufungsliste setzen darf, wenn man sie wirklich an erster Stelle haben möchte“. Denn sobald sie auf einer Liste auftauchten, würden sie vom Rektorat oder Uni-Rat automatisch „primo loco“ - eben auf den ersten Platz - gesetzt.
Vorteil Nr. 2: Quoten statt Qualität
Eine eher brachiale Methode der Frauenförderung sind Quoten, wie sie immer wieder gefordert und in bestimmten Institutionen und Bereichen - so bei Führungsgremien und Wahllisten der Sozialdemokraten und Grünen - eingeführt wurden. In der Herbstsession verlangte die Genfer SP-Nationälratin Maria Roth-Bernasconi mittels einer parlamentarischen Initiative eine Frauenquote von 30 Prozent in Verwaltungsräten - in Norwegen seit dem 1. Januar 2008 bereits eine Realität (dort gar mit 40 Prozent).
Die nordischen Erfahrungen mit VR-Quotenfrauen scheinen allerdings zwiespältig zu sein. „Die Quoten drücken das Niveau der Verwaltungsräte massiv nach unten“, beobachtet der international tätige Headhunter Bjorn Johansson. Durch die forcierte Gleichstellungspolitik rückt die Qualifikation als Kriterium der Stellenvergabe zwangsläufig in den Hintergrund. Zum Schaden von Männern und Firmen, zum persönlichen Nutzen einzelner Frauen.
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Kommentare (1)
1 Mittwoch, den 16. Dezember 2009 um 08:50 Uhr
S. Thürer-Reber + E. Scholl
Die "neue Diskriminierung" der Frauen schreitet zügig voran. Einmal mehr kommen die Argumente aus der Mottenkiste. Es ist ja klar, dass berufstätige Mütter weniger Überstunden machen können als Männer, deren Frauen die Familie zusammen halten. Das kann nicht bedeuten, dass es nicht trotzdem mehr Frauen in Führungsebenen braucht. Inzwischen sollte klar sein, dass in unserer Gesellschaft, Wirtschaft und Politik weibliche und männliche Ressourcen nötig sind. Frauen haben erwiesenermassen ein anderes Verständnis von Karriere als Männer - allerdings kein falsches, einfach ein anderes! Männer sollen endlich aufhören, uns Frauen ihr Karriereverständnis aufs Auge drücken zu wollen.

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